Sederteller

Der flache Teller hat einen Durchmesser von ca. 33 cm und ist um 1700 angefertigt und in Zinn gegossen. Der Rand ist dreifach profiliert.
Der punzierte Teller zeigt zwei gleiche Stempelmarken, zwei Henkelvasen mit Blumen und den Buchstaben JS. Es ist der Meisterstempel von JOHAN SCHET-TER (SCHETTLER). Er wird 1686 als Neubürger in Warendorf registriert. Seit 1712 ist er Probiermeister, also beruflich anerkannt, und wohnte auf dem Krickmarkt. Sein Sterbedatum liegt vor 1735.

Neben diesen Informationen weiß man auch durch eine sehr signifikante Gravur, wer der Besitzer des Tellers war, nämlich „I. AMALIA SILKERS".
Der gesamte Boden (der Fachmann nennt den Boden auch Spiegel) ist mit einer Bildgravur aus dem 19. Jahrhundert geschmückt.

Die Umschrift auf dem Rand (Fahne) nennt uns das Paar „Ruth und Naemi" auf dem Weg nach Jerusalem. Naemi mit einem Wanderstab und mit der anderen Hand die Richtung zeigend. Ruth mit der Geste der offenen Armhaltung, die ein „Willkommen" ausdrücken könnte. Sie schreiten gerade unter einem tropischen Baum (Palme), auf dem eine Taube Platz genommen hat. Im Hintergrund eine weitere Person, die in entgegengesetzte Richtung zu einer Burg geht. Weiter zeigt der Hintergrund einen Baum aus unserer Region und ein einzelnes Eichblatt. Auf dem Rand ist eine Rosenranke graviert, die Blume der Liebe.
Die späteren Gravuren aus dem 19. Jahrhundert mit der biblischen Szene lassen darauf schließen, daß das Exponat als sogenannter Sederteller seine Verwendung fand.

Die Rückseite des Tellers, der auch heute als Wandteller dienen kann, zeigt die Buchstabengravur K HD und ein J oder B.
Ein Mosaikstein müßte noch gefunden werden: Wer war und wo wohnte AMALIE SILKERS?

Leihgeber: Heimathaus Warendorf